Sonntag, 13. September 2026
Teilnahme am „Tag des offenen Denkmals®“
Motto: „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“
https://www.tag-des-offenen-denkmals.de/

Kalkweiler Kapelle
Führung um 14:30 Uhr durch Annerose Herrmann

Am letzten Sonntag der Sommerferien, am 13. September 2026, wurde wieder bundesweit der „Tag des offenen Denkmals®“ begangen.

Das diesjährige Motto lautete „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur„.

In diesem Jahr öffneten wir erstmals die Kalkweiler Kapelle an der Straße zwischen Rottenburg und Remmingsheim, zusammen mit dem danebenliegenden Schafstall letztes Zeugnis des Dorfes Kalkweil, das im 15. Jahrhundert aufgegeben wurde.

Die Kalkweiler Kapelle -ein Kleinod im Verborgenen

Unser 1. Vorsitzender Klaus Tappeser begrüßte die gut 90 Interessierten in der Kalkweiler Kapelle, selbst die Stehplätze im Chorraum waren neben den Bänken im Langhaus und der Empore gut belegt.

Annerose Herrmann, die bekannte Rottenburger Stadtführerin, erzählte lebendig die Geschichte der Kapelle, des Dorfes und von der Kalkweiler Krippe.

Das Dorf Kalkweil, Siedlungsspuren sind ab dem 7. Jahrhundert nachweisbar, wurde 1251 erstmals urkundlich erwähnt, stand am selben Platz wie ein römisches Landhaus, eine „Villa“, daraus und aus dem Muschelkalk im Untergrund setzt sich der Name Kalkweil zusammen.

Die Südwand der Kapelle steht auf römischen Mauern und war im Mittelalter Zentrum des Dorfes mit seinen 55-70 Einwohnern, das Gewann umfasste 330 ha (ein Fußballfeld hat 0,7 ha!) Felder und auch Wald an der Dölle Richtung Obernau. Kalkweil war laut den Steuerlisten im Jahr 1385 steuerkräftiger als die anderen Dörfer rund um Rottenburg.

Ende des 14. Jahrhunderts war das Dorf verlassen, die Einwohner hatten sich in den unsicheren Zeiten lieber hinter die schützenden Mauern der Stadt Rottenburg begeben.

So sind heute der denkmalgeschützte Schafstall -in den 1990er Jahren in viel Eigenleistung saniert- und die Kapelle die letzten Zeugnisse des Dorfes.

Heute wird der ehemalige Schafstall vom Verein „Haus Kalkweil e.V.“ als Jugend- und Freizeithaus betrieben und vielfältig für Veranstaltungen und Übernachtungen genutzt.

Die Ländereien von Kalkweil wurden ab ca. 1522 als Meierschaft mit Schafhaltung bewirtschaftet, um 1730 mit 1.000 Schafen. Ab Ende des 18. Jahrhunderts gehörten die Ländereien endgültig zur Stadt Rottenburg und die Meierschaft wurde aufgelöst.

Die Kalkweiler Kapelle, 1410 erstmals urkundlich erwähnt, wurde dem Heiligen Georg geweiht und gehörte von Anfang an zur Pfarrei Sankt Moriz in Rottenburg.

In Kirchenführen kaum erwähnt, war sie jedoch immer zur Weihnachtszeit ein großer Publikumsmagnet: die Kalkweiler Krippe wurde Jahr für Jahr aufgebaut und ausgestellt. 1848 wurde sie von Bürgern gestiftet, die älteste Figur ist von 1782. Zwischenzeitlich auch museal ausgestellt, wurde sie ab 1961 wieder in der Kapelle aufgebaut unter Führung des Mesners, Bildhauer Walter Mesmer (1898-1990). Er und seine Frau restaurierten die ursprünglich über 200 Figuren, heute sind noch 125 Figuren erhalten.

Unser Ausschussmitglied Hubert Heberle konnte von seiner Mithilfe als Kind beim Aufbau in der Kapelle bei niedrigsten Temperaturen berichten.

Die Krippe wird seit 1984 vom Sülchgauer Altertumsverein betreut und jährlich als einer der Höhepunkte in der „Rottenburger Krippenausstellung“ gezeigt.

Annerose Herrmann berichtete weiter von der Geschichte der Kapelle. Eindeutig gotischen Ursprungs sind die beiden Türen, die spitzbogigen Fenstergewände und das Dreipaß-Maßwerkfenster im Ostgiebel.

1644, zum Ende des Dreißigjährigen Krieges, brannte die Kapelle ab -wie im selben Jahr auch die Wurmliner Kapelle und auch die Stadt Rottenburg wurde ein Raub der Flammen.

Nach dem Brand erneuert, wurden die Wände in Chor und Langhaus bemalt. Leider wurden die Gemälde später mehrfach übertüncht, nur Reste sind heute noch sichtbar. Unter der Kalkschicht dürften aber noch weitere Fragmente liegen, vermutlich sogar noch Spuren der ursprünglich gotischen Ausmalung.

Zur ursprünglichen Ausstattung des Gotteshauses gehörte auch eine Kanzel an der nördlichen Langhauswand. Diese inzwischen beseitigte Kanzel und die noch vorhandene Empore sind im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts entstanden.

Große Teile der Ausstattung wurden im Laufe der Zeit nach St. Moriz und ins dortige Stiftsmuseum verbracht, auch die Nebenaltäre im Zopfstil und die vergoldete Reliquienmonstranz des Kirchenpatrons St. Georg und eine Pietagruppe. Der ehemalige Hochaltar wird den Brüdern Heinrich Carl Amrein (Bildhauer, 1651–1731) und Hieronymus Amrein (Altarbauer, 1657–1712) zugeschrieben (aber ohne Nachweis), sie waren im Barock in Rottenburg mit einer Werkstatt ansässig und haben viele Zeugnisse ihres künstlerischen Schaffens in und um die Stadt hinterlassen.

Die spätgotischen Standbilder des Heiligen Georgs und des heiligen Mauritius (Moriz) sind heute noch als Kopie (Originale in St. Moriz) in der Kapelle aufgestellt, in ihrer Mitte eine Madonna mit dem Jesuskind, das die Weltkugel in der Hand trägt.

Unter dem heutigen Putz verborgen ist am östlichen Außengiebel ein monumentales Fresko des Kirchenpatrons St. Georg, 1946 von einer Bürgerin Rottenburgs als Dank für die überstandene Kriegsnot gestiftet und gemalt von Kirchenmaler Eugen Stehle sen.

Joshija Wiech (geb. Merkle) vom Verein Haus Kalkweil e.V. berichtete von den demnächst startenden Sanierungsarbeiten an der Kapelle.

Der Dachstuhl und das Dach (der Dachstuhl über dem Langhaus ist sogar älter als der über dem Chorraum) müssen dringend erneuert werden, die Kirchengemeinde St Moriz ist hier zur Finanzierung auf Spenden angewiesen. Neben den veranschlagten Baukosten schlummert im denkmalgeschützten Bau noch Unvorhersehbares. Eine Renovierung im Innern oder gar Freilegung und Restaurierung der Wandgemälde ist derzeit nicht finanzierbar.

Das Schlusswort gehörte wieder unserem 1. Vorsitzenden Klaus Tappeser, er bedankte sich bei Annerose Herrmann für ihre sehr gute, fundierte Führung und den zahlreichen Besuchern für Ihr Interesse. Klaus
Tappeser wies auch auf die Aufgaben und Veranstaltungen der Bauhütte Rottenburg e.V. hin und warb für eine Mitgliedschaft zur Erhaltung der alten Denkmäler in Rottenburg am Neckar.

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